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BDS Landesverband Sachsen e.V.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Wir halten Euch auf unserer Internetseite auf dem Laufenden. Nutzt bitte diese Informationsquelle jetzt verstärkt. (www.schwimmmeister-sachsen.de)

Bitte bleibt alle gesund und wir hoffen auf ein baldiges Wiedersehen.

 

Der Vorstand

 


++++++PRESSEMITTEILUNG*****
12.07.2022
Die Bäderallianz hat als Sprecher aller relevanten Interessensträger der deutschen Bäder am vergangenen Donnerstag sich intensiv mit der Lage beschäftigt und eine gemeinsame Position erarbeitet, die der Energielage Deutschlands gerecht wird. Selbstverständlich ist allen Akteur:innen die Verantwortung der Bäder bewusst, dass sie eine der größten Wärmeverbraucher der Sportstätten sind. Ebenso ist auch deutlich, dass im Falle der Stufe 3 des Gasnotfallplans der Beitrag der Bäder zu leisten ist. Auch in Zeiten der Pandemie waren Bäder die ersten im Lockdown und die letzten wieder daraus. Badbetreibende und Nutzende waren die ersten mit Pandemieplänen und haben ihren Beitrag durch Verzicht geleistet.
Schwimmbäder sind aber nicht nur Orte des gesellschaftlichen Lebens, der Sportvereine des Wassers, sie sind vor allem Orte der Pflichtaufgabe der Schulen, der (Aus-)Bildung zum Erlernen der Schwimmfähigkeit im wasserreichen Land Deutschland und Orte der gesundheitspolitisch nicht ersetzbaren Rehabilitation und Prävention. Die Lehr- und Bildungspläne der Länder unterscheiden nicht in wichtige und unwichtige Fächer, daher gehört das Schulfach Schwimmen ebenso zum Schulstoff wie Mathematik oder Deutsch. Daher spricht fordert die Bäderallianz, die Bäder so lange offen zu lassen, wie es die Gasversorgung Deutschlands erlaubt. Nach drei Jahrgängen der Nichtschwimmer und dringend notwendigen Gesundheitstherapien sind Bäder dafür unverzichtbar. Erst wenn es der Notfallplan Gas in Stufe 3 notwendig macht, sollten Bäder in drei Stufen, wie es fachlich fundiert in der Bäderallianz erarbeitet wurde, im Angebot reduziert werden. Grob gesagt sollten in Stufe 1 die Freibäder nicht mehr mit Wärme versorgt werden und Warmwasseraußenbecken geschlossen werden. In Stufe zwei sollten - wo technisch sinnvoll - alle Becken außer Sport- und Lehrschwimmbecken in Hallenbädern geschlossen werden. In der letzten Stufe sollte die Wassertemperatur auf max. 26 °C in den verbleibenden Sport-/Lehrschwimmbecken reduziert werden. In größeren Kommunen ist auch eine Bündelung der Wassernutzung möglich. Die Wärmereduktion allein jedoch bringt verhältnismäßig wenig, schließt aber viele Nutzungen aus. Somit sind zumindest die Grundfunktionen der Pflichtaufgaben weiter zu erfüllen. Sollte es zu diesen Szenarien kommen, muss zwingend parallel das dann nicht mehr benötigte Personal mittels Kurzarbeit des Bundes und Aufstockung der Kommunen unterstützt werden, will man nicht wie derzeit bei den Flughäfen im nächsten Jahr Bäder ohne Personal weiter geschlossen halten müssen.
Die Bäderallianz hat mit diesem Vorschlag erneut fachlich fundiert Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt, wie Bäder solidarisch einen erheblichen Beitrag leisten können. Bäder zum Energiesparen mit Aktionismus nun schon zu schließen, halten wir mit Blick auf die Bedeutung der Bäder für falsch. Dass der Deutsche Städtetag das ohne Rücksicht auf die bildungspolitische Pflichtaufgabe, ohne fachliche Fundierung als eine der wenigen Maßnahmen in der letzten Woche schon empfiehlt, empört alle in der Bäderallianz sehr.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Christian Kuhn
Sprecher der Bäderallianz Deutschland

An
die Bundesminister:innen
Robert Habeck – BMWK
Hubertus Heil – BMAS
Klara Geywitz – BMWSB
Nancy Faeser – BMI
Prof. Dr. Karl Lauterbach – BMG
Per E-Mail

Positionspapier zum drohenden Lockdown
Sehr geehrte Bundesminister:innen,
dass Bäder Orte der Schwimmausbildung, der Gesundheitsförderung, des Vereinssports, der Bildung/Bewegung im Wasser, der Rettungsausbildung, der Lehr- und Fachkräfteausbildung sind und zur Vermeidung des Ertrinkungstodes wichtig sind, ist sicher für alle unbestritten. Sie erfüllen als Schulsportanlage die Pflichtaufgaben der Kommunen. Auch wenn wir selbstverständlich der Meinung sind, dass Bäder auch in Zeiten der Energiekrise geöffnet bleiben sollten, wissen wir um die Energieverbräuche der Bäder und stehen als Ansprechpartner für sinnvolle Lösungen wie schon in der Pandemie zur Verfügung.
Lassen Sie uns die Problemaspekte aufzeigen und Lösungsvorschläge unterbreiten. Sollten die Gasspeicher nicht so befüllbar werden, wie es im entsprechenden Notfallplan vorgeschrieben ist, so kann schon sehr kurzfristig, bspw. durch Lieferminderungen der Revision von Nordstream1 oder anderen Gründen die dritte Stufe des Notfallplans ausgerufen werden müssen. Das ist Ihnen ebenso nicht neu wie die Tatsache, dass die Bäder Teil der Infrastruktur sind, die in die Schließungsdiskussion einbezogen werden wird. Hierfür bedarf es nun sehr kurzfristig verlässlicher Lösungen.
Ziel muss es sein, Wasserflächen für:
- den Schulsport als Pflichtaufgabe der Kommunen sowie für Prävention/Rehabilitation,
- das Schwimmenlernen und zur Förderung der Schwimmfähigkeit
aufrecht zu halten. Hiermit ist den Betreibern der zur Verfügung stehenden Bäder/Wasserflächen eine Entscheidungshilfe gegeben, wie Wasserflächen für Schulen sowie für organisierte Gruppen zu verteilen sind.
Die Bäderallianz als Zusammenschluss aller wichtigen Interessensvertreter der Bäder ist der Meinung, dass nach einem 3 Stufenplan verfahren werden sollte, wenn Minderungen der Wärmeversorgung es notwendig macht:
1. sollten hochtemperierte Außenbecken abgeschaltet werden, das bringt viel mehr Ersparnis als bspw. eine Temperaturminderung um 2°, welches dann aber zu deutlichen Mindernutzungen in der Breite führen würde. Sollte das nicht ausreichen, sollten die Freibäder unbeheizt zum Saisonende gebracht werden und bei Schlechtwetter flexibel schon früher abgeschaltet werden.
2. Im zweiten Schritt sollten alle freizeitaffinen Becken (alles außer Sportbecken und Lehrschwimmbecken) außer Betrieb gehen.
3. Im dritten Schritt sollte die Wassertemperatur in den verbleibenden Sport-/Lehrschwimmbecken auf maximal 26°C gesenkt werden.
Diese Abfolge basiert auf einem breiten Erfahrungsschatz1, um mehr Wärmemengen zu ersparen bei geringerem Eingriff für die Nutzergruppen, die politisch zu fokussieren sind.
Sollte es in den o.g. Stufen zu (Teil-) oder vollständigen Schließungen kommen, so sind diese zwingend sozial und auch im Sinne der wichtigen Aufgabe der Bäder abzufedern. Bei Schließungen würden nicht wie in Corona mit ungewissen Wochen sondern sicher auf mehrere Monate die Bäder geschlossen bleiben. Das Personal ist zwingend durch Kurzarbeitergeld durch den Bund an die Bäder zu binden. Die Kommunen müssen diesen Lohn aufstocken, wollen sie die Arbeitskräfte gerade in Zeiten der Inflation nicht verlieren. Schon heute ist der Fachkräftemangel so gravierend, dass Bäder zeitweise oder gänzlich nicht öffnen können. Der limitierende Faktor ist meist nicht mehr die Wasserfläche sondern das Personal. Würde man Personal durch Schließung freisetzen, würde man es nur mit großem Aufwand und nie kurzfristig wieder zurückbekommen. Die Folge wären langfristige Schließungen der so wichtigen Bäderinfrastruktur.
Daher plädieren wir:
1. für einen Erhalt und falls das nicht möglich ist für stufenweise statt gänzliche sofortige Schließung der Bäder je nach Beitrag der Wärmemengenreduktion,
2. für eine kurzfristige und verlässliche Perspektive bei einer (Teil-)Schließung vor allem für die Mitarbeiter:innen mittels Kurzarbeitergeld zu sorgen und
3. langfristig in die Bäderlandschaft zu investieren und die Förderprogramme zu schärfen.
1 Bspw. hat das Bäderland Hamburg herausgefunden, dass 2° Temperaturminderung aller Hamburger Bäder nur 5-7% Wärmemengenreduktion einbringt. Denn die mehr als 9.300 mehrheitlich öffentlichen Bäder2 in der Bundesrepublik Deutschland schaffen ein strukturiertes, an die gesamte Bevölkerung gerichtetes und für alle offenes Bewegungs- und Sportangebot, durch das wichtige soziale und gesundheitsfördernde Funktionen in der Gesellschaft erfüllt werden. Unsere Bäderlandschaft sind Ort des Breiten-, Leistungs- und Gesundheitssports. Bäder sind als Pflichtaufgabe des Schulsport systemrelevant und erfüllen als meistgenutzte Sportstätte der deutschen Bevölkerung3 eine besondere Bedeutung. Nicht zuletzt sind Bäder auch Arbeitsstätten und häufig unterschätzter Wirtschaftsfaktor4. Der ökonomische Fußabdruck eines Bades, gerade aber von Familienbädern oder Thermen ist enorm5. Der Sport insgesamt hat mit über 2 Prozent des gesamtwirtschaftlichen Bruttoinlandproduktes mehr Wertschöpfung als beispielsweise die chemische Industrie oder die Produktion von Metallerzeugnissen6. Kurzum: Bäder sind Wirtschaftskraft, Bildungs- und Gesundheitsstätte und von hohem öffentlichen Mehrwert. Dem gilt es Rechnung zu tragen.
Es bedarf wissenschaftlicher Grundlagen, um die Bäder in eine gute Zukunft zu führen. Derzeit gibt es keinen Lehrstuhl für Sport- oder Bäderarchitektur oder deren Betrieb. Diesem Mangel kann kurzfristig nur durch deutlich erweiterte Forschungsprogramme entgegnet werden. Die Projekte Bäderleben und digitaler Sportstättenatlas sind die richtige Richtung aber viel zu wenig. Wir stehen nicht nur vor 4,5 Mrd. € Sanierungsstau, wie an der Bergischen Universität Wuppertal aus 2016 ermittelt, den die KfW aktuell mit 8,5 Mrd. € beziffert7. Die Bedarfsanpassung der Bäder geht weit darüber hinaus. Nachhaltige Bau- und Betriebsformen sind zu erforschen und in die Branche einzuführen, wenn wir die Klimaziele der Bundesregierung erreichen wollen. Zudem wurde in England festgestellt, dass jeder € Zuschuss in ein Bad 4€ im Gesundheitswesen erspart hat8. Es gilt also vernetzt zu denken und die Zeit nun zu nutzen, die Bäder fit für die Zukunft zu machen.
Das alles zeigt auf, dass in die Bäder investiert werden muss. Technisch sind die so hoch sanierungsbedürftigen Bäder dringend dem modernen Standard anzupassen, will man die Klimaziele erreichen. Sie sind jedoch Sonderimmobilien, bei denen bauphysikalisch durch hohe Verdunstungsraten aber auch betrieblich und nicht zuletzt steuerrechtlich mit Blick auf den steuerlichen Querverbund zu den Stadtwerken als Betreiber sehr vieler Bäder ganz spezielles Fachwissen erforderlich ist. Sie sind eben schon immer die speziellste Sportstätte unter den Kernsportstätten. Daher müssen die Förderprogramme auch dringend angepasst werden, wenn das Bildungsziel das Erlernen des Schwimmens zum Vermeiden des Ertrinkens erreichbar werden soll und wir die beliebteste gedeckte Sportstätte der Deutschen nicht verlieren wollen. Die Bäderallianz ist dabei Ihr erster Ansprechpartner. Wir sind der Zusammenschluss aller großen Interessenvertreter der Bäder und damit der Ansprechpartner für Medien und Politik. Wir wollen wie in der Vergangenheit wieder einmal unsere Zusammenarbeit in allen relevanten Fragen rund um die Bäder anbieten. Wir sind Ihre Fachleute – kommen Sie auf mich, auf uns zu, wir erarbeiten Ihnen gerne Fachgrundlagen für das gemeinsame Ziel einer bedarfsgerechten, nachhaltigen und attraktiven Bäderlandschaft.
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Christian Kuhn
Sprecher der Bäderallianz Deutschland

2 Vgl. https://baederleben.de/abfragen/baeder-zaehlen.php
3 Vgl. BMWi (Hrsg.): Sportstätten im demographischen Wandel, 2014, S.6
4 Vgl. internationale Fachzeitschrift für Sportstätten und Freizeitanlagen: Bäder: Kulturgut mit großem öffentlichen Mehrwert und hohem ökonomischen Fußabdruck, 2/2020
5 Vgl. SB - internationale Fachzeitschrift für Sportstätten und Freizeitanlagen: Bäder: Kulturgut mit großem öffentlichen Mehrwert und hohem ökonomischen Fußabdruck, 2/2020
6 Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi): Sportwirtschaft, S.5, 4/2018
7 Vgl. KfW Research, Fokus Volkswirtschaft: Investitionsrückstand bei Schwimmbädern sinkt, aber Energiekosten steigen, Juni 2022
8 Vgl. IAKS int. expert circle, 2021, Vortrag Dr. Kannewischer
 

13. Juli 2022

Stellungnahme und Einsparungsvorschläge des Bundesfacharbeitskreises Bäder bezüglich akuten Mangelsituation und Preisentwicklung im Bereich der Deutschen Energieversorgung
 

Den Badebetrieb aufrechterhalten! Bei notwendigen Schließungen das Personal absichern!
 

Sollte eine Verschärfung der Lage auf dem Energiemarkt eine Schließung der Bäder unumgänglich machen, fordert ver.di die Absicherung des Personals durch Regelungen zur Kurzarbeit. Wir erwarten für die Beschäftigen vergleichbare Regelungen wie sie während der Phase des Lockdowns für den Öffentlichen
Dienstes galten (TV Covid).


Bedingt durch die aktuelle politische Lage in der Welt und den Konflikten im Ukraine Krieg besteht derzeit ernsthafte Gefahr bezüglich der Sicherstellung der deutschen Energieversorgung. Zum einen führt das zu erheblichen Lieferengpässen. Zum anderen kommt es zu erheblichen Preissteigerungen in diesem Sektor.
Sowohl die Gasversorgung, als auch die Versorgung mit Elektroenergie drohen durch Versorgungsengpässe zusammenzubrechen. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sprach mehrfach die Befürchtungen aus, dass ein vollständiges Ausbleiben der russischen Gaslieferungen durch Nord Stream befürchtet werden muss.
Sollte Russland nach den für den 11. Juli geplanten Wartungsarbeiten die Gaslieferungen nicht wiederaufnehmen, drohe für die Winterperiode eine ernsthafte Versorgungslücke.
Auf dem Strommarkt kommt es ebenfalls zu erheblichen Engpässen und Preissteigerungen.
Der Spiegel berichtet in einem Artikel, dass viele Stadtwerke nach Aussage des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) aufgrund der befürchteten Lieferengpässe und Preissteigerungen auf dem Strommarkt die regionale Versorgung der Bevölkerung mit Energie und verschiedenen Dienstleistungen nicht mehr sicherstellen könnten. Die Bundesregierung hat bei dem Energiekonzern Uniper Verhandlungsbereitschaft gezeigt. „Was jetzt dringend folgen muss, ist eine Anpassung des Energiesicherungsgesetzes mit besseren Instrumenten, um die Preisspirale zu dämpfen und die Versorgungssicherheit zu erhalten. So die Forderung des Hauptgeschäftsführers der VKU Ingbert Liebig in der „Rheinischen Post“.
Am 27.06. fand eine Krisensitzung der Europäischen Energieminister statt, auf der die Brisanz der Lagen, und
mögliche Wege besprochen wurden. Auch der Deutsche Städtetag sieht eine nahende Existenzkrise der Stadtwerke. Andere Energieversorger sind ebenfalls betroffen.
Der Umweltsenator Hamburgs Jens Kerstan denkt sogar über die Rationierung der Warmwasser- Mengen für
Privathaushalte nach.
Nun hat der Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg erklärt, die Schwimmbäder der Stadt aufgrund der
Energiesituation zu schließen, und die Freibäder nicht zu beheizen.
Weitere Bäder werden folgen.


Angesichts der derzeitigen Entwicklung stellt sich die Frage nach dem Fortbestand der Öffentlichen
Bäder in Deutschland und der Frage, wie eine Versorgung der Bevölkerung in diesem Sektor
aufrechterhalten wird. Das ist nicht nur eine wirtschaftliche, sondern mehr eine politische Frage, die wir
mit Ja beantworten.

Der Bundesfacharbeitskreis Bäder spricht sich aus verschiedenen Gründen gegen eine Schließung der Bäder, und somit für die Aufrechterhaltung der Versorgung in diesem Sektor aus. Es handelt sich unserer um einen Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge der Kommunen, sowie einen Teil der Öffentlichen Gesundheitsvorsorge für die Bevölkerung. Regelmäßiges Schwimmen reduziert nachweislich die Gesundheitskosten unserer Gemeinschaft. Wir verweisen auf den in den Bildungsplänen der Länder vorgesehenen Schwimmunterricht für die Schüler*innen als notwendigen Teil der Allgemeinbildung.
Auch der Reha- Sport für Behinderte und Kranke, der zu Unterstützung ihrer Genesung bzw. dem Erhalt ihres
Gesundheitszustandes Bestandteil der Rehabilitation ist, wird weiterhin dringend benötigt.
Die sportliche Betätigung vieler Bürger*innen in Schwimmvereinen und Vereinen für den Wassersport ist einen
wichtigen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in unserem Land.
Nicht zu vergessen sind öffentliche Bäder als Angebot an sozial benachteiligten Familien. Diese können sich den Besuch in teuren Badeeinrichtungen und Spaßbädern einfach nicht leisten. Auch ein anderer sozialer Faktor spielt eine große Rolle. Nämlich der Seniorensport. Hier treffen sich die älteren Menschen unter Gleichgesinnten. Nicht zu vernachlässigen ist die Verantwortung der öffentlichen Bäder für die Sicherheit in einer Kommune. Als Beispiele sind die Kinder zu nennen, die in den Bädern sicher einen Sport betreiben oder einfach Spaß haben können. Die Jugendlichen, die nicht öffentliche Gewässer nutzen. Sich damit einer erheblichen Unfallgefahr aussetzen, und lieber ins öffentliche Bad gehen. Um auch in Zeiten der Energieengpässe und Preissteigerungen diese Angebote weiter leisten zu können, sind intelligente Lösungen aller Beteiligten gefragt. Deshalb möchte auch der Bundesfacharbeitskreis Bäder in ver.di, stellvertretend für alle Beschäftigten dieses Bereiches, mit Vorschlägen und Überlegungen seinen Beitrag leisten.
Die öffentlichen Bäder sind durch einen erheblichen Energiebedarf gekennzeichnet. Aber eine Schließung, und das vollständige Stilllegen von Bädern würde einen weiteren nicht zu verachtenden Schaden an deren Substanz für die Kommunen bedeuten. Das würde in späteren Zeiten zu einem erheblichen Mehraufwand für die Instandsetzung der hierdurch entstehenden Schäden bei einer Wiederinbetriebnahme bedeuten.
Durch einen Investitionsstau, der in vielen kommunalen Bädern bereits seit mehreren Jahrzehnten besteht, stellen sich viele Bäder als Energiefresser dar. Wir sind der Meinung, dass man durch viele geeignete und in absehbarer Zeit zu tätigende Änderungen, die Energieeffizienz in den Bädern erheblich verbessern kann. Auch durch die Veränderungen in der Betriebsorganisation und in der Betreibung der Anlagen, zu der wir ebenfalls Vorschläge unterbreiten werden, können einen erheblichen Beitrag für die Aufrechterhaltung des Badebetriebes leisten.


Sollten jedoch Schließungen von öffentlichen Bädern unumgänglich sein, fordern wir eine Absicherung
der Beschäftigten vergleichbar mit den während des Corona Lockdowns geltenden Regelungen.
Der Bundesfacharbeitskreis Bäder erarbeitet derzeit konkrete Vorschläge, um mit einem konstruktiven
Beitrag an der Erhaltung der Badelandschaft in Deutschland aktiv mitzuwirken.

Kurzfristige Maßnahmen, wie die Reduzierung der Wassertemperaturen, das Einstellen der Beheizung von
Außenbecken und das Abschalten von reinen „Spaßbecken“ zugunsten von Sport- und Lehrschwimmbecken, sollte bundeseinheitlich zur Reduzierung des Energieverbrauches genutzt werden.
Auch in Hallenbädern sollte bundeseinheitlich die Wassertemperatur auf maximal 26 Grad gesenkt werden.
In anderen Ländern werden den Gästen weit niedrigere Temperaturen angeboten. Nicht zu vernachlässigen ist die Reduzierung der Raumtemperaturen im Verhältnis zu den Wassertemperaturen.
Die Veränderung von Öffnungszeiten ist ein weiterer Schritt für die kurzfristige und eingeschränkte
Aufrechterhaltung des Angebotes.
Diese kurzfristigen Maßnahmen ändern aber nichts an den Versäumnissen der Vergangenheit. Mittel- und
Langfristig müssen wir mit weiteren Maßnahmen des effizienteren Energieeinsatzes und modernen Technologien eine moderne öffentliche Badelandschaft in Deutschland gestalten.
Als Beispiel ist hier die Abdeckung der Wasserflächen durch entsprechende Folien zu nennen. Diese Möglichkeit sollte sowohl für Hallen- als auch für Freibäder ernsthaft geprüft und umgesetzt werden.
Hierdurch wird nicht nur der Wärmeverlust erheblich verringert. Eine Aufheizung der Freibäder bei entsprechender Sonneneinstrahlung reduziert den Energiebedarf. Weiterhin wird die Wasserverdunstung erheblich reduziert. Diese liegt bei einem Schwimmbad im Außenbereich mit 500 qm Wasserfläche und bei 20 Grad Außentemperatur sowie normalen Windverhältnissen immerhin bei 10 Kubikmetern Wasser je Tag!
In Hallenbädern kann eine Abdeckung der Wasserflächen auch zu erheblichen Einsparungen bei der Raumheizung, sowie bei der Entfeuchtung der Raumluft mit sich bringen.
Den hierzu notwendigen Investitionen von schätzungsweise 30000 Euro für einen entsprechenden Einbau stehen Energiekosteneinsparungen von mehreren hunderttausend Euro gegenüber.
Weitere Maßnahmen der Energieeinsparung könnten Wärmepumpen, Solarkollektoren und weitere Konzepte der modernen Energieerzeugung und –nutzung sein. Auch die Wärmerückgewinnung aus der Luft ist eine Möglichkeit moderner energieeinsparender Konzepte.
Bei einer Befragung unter 579 Badbetreibern wurde von mehr als 40 % der Befragten ein Investitionsrückstand in nicht unerheblichem Umfang angegeben. Auch die Bergische Universität Wuppertal hat sich mit der Frage des Investitionsstaus in öffentlichen Bädern beschäftigt. Hier besteht dringender Nachholbedarf.
Der gesamte Bereich der öffentlichen Bäder könnte mit Unterstützung der Politik und aller Beteiligten, eine
Vorreiterrolle in der Frage der Umsetzung moderner Energiepolitik werden.
Um eine moderne, zukunftsgerichtete öffentliche Badelandschaft in Deutschland zu erhalten und zu gestalten ist es notwendig zu investieren. Jeder an einer Investition gesparter Euro führt zu langfristigen Schäden, Folgekosten und einer übermäßigen Belastung der kommunalen Kassen. Oder zum Totalverlust des Bades. Sparen wird hier teuer. Man könnte auch sagen, jeder heute investierte Euro spart den Kommunen langfristig viel Geld. Ein Beispiel: Ein kommunaler Energieberater hat bei dem Vorschlag mit der Abdeckung durch Planen errechnet, dass einer Investition von etwa 30.000 Euro über einen Zeitraum von 20 Jahren bei den damaligen Energiekosten in etwa 540.000,- Euro Ersparnis bei Berücksichtigung der Abschreibungskosten gegenüberstehen (Helmut Zorn, kommunaler Energiebeauftragter der Gemeinde Etzelwang). Und das ist ja nur ein Beispiel technisch möglicher Kosten- und Energiereduzierungen. Auch das Bayrische Landesamt für Umwelt hat umfangreiche Empfehlungen für die Verbesserung der Energieeffizienz in öffentliche Bädern gegeben. Die durch die Schließungen und Nichtnutzung der Bäder während Corona entstandenen Schäden und Folgekosten bei der wieder Inbetriebsetzung waren einer Untersuchung zufolge erheblich. Ein weiteres Beispiel: Bei der Beheizung des Badewassers führt das zu einer erhöhten Verdunstung in einer Schwimmhalle. Diese wird durch eine höhere Lufttemperatur in der Halle in gewisser Weise kompensiert. Weiterhin sind aber Entfeuchtungsanlagen notwendig, um feuchtigkeitsbedingte Schäden an den Gebäuden zu verhindern. Der Energieaufwand für Heizung der Luft und Entfeuchtung ist nicht zu verachten.
Werden Wasser und Luft in Bädern jedoch nicht beheizt, dann führt das bei Wiederinbetriebnahme zu exorbitanten Energieverbräuchen. Die durch die Nichtnutzung entstehende Luftfeuchtigkeit führt des Weiteren zu baulichen Schäden, sowie Schäden an den stillgelegten Pumpen, Filtern und sonstigen notwendigen technischen Ausstattungen.
Wir als Bundesfacharbeitskreis der Beschäftigten der Öffentlichen Bäder möchten zusammen mit den Betreibern und der Politik an der Gestaltung eines modernen, zukunftsfähigen Badewesens als wichtigen Teil des regionalen Zusammenlebens in den Kommunen mitwirken.
Aus diesem Grund wird sich der Bundesfacharbeitskreis im Rahmen einer Tagung speziell mit den Fragen der
effizienteren Energienutzung in Bädern beschäftigen und hierzu konkrete Vorschläge erarbeiten.

ver.di Bundesverwaltung Frank- Robby Jost
Gewerkschaftssekretär
Bereich B
Bundesfachgruppe Umwelt, Grünflächen,
Handwerk und gewerbliche
Dienstleistungen
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PC-Fax: +49 1805.837343-2114*
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